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Interview

Petra (62): Wechseljahre ohne Tabus - Mein Weg zu mehr Wohlbefinden mit Hormonen

Veröffentlicht von Saskia Appelhoff im März 2025

Artikelbild Petra (62): Wechseljahre ohne Tabus - Mein Weg zu mehr Wohlbefinden mit Hormonen

Petra, 62 Jahre, 1 Kind, Angestellte, Postmenopause, seit einigen Jahren Hormonersatztherapie

Liebe Petra, stell dich bitte einmal selbst vor!

Ich bin 62 Jahre alt, habe einen fast 26-jährigen Sohn und bin spät Mutter geworden – mit 38 - und geheiratet habe ich, als er 12 war. Mein Sohn kam mit einem Handicap zur Welt, was mich viel Kraft gekostet hat, genauso wie mein Job. Dann hatte ich noch meine Mutter zu pflegen, die sehr alt war und später an Demenz litt. Ich war immer sehr beansprucht und dachte, meine Erschöpfung sei einfach nur ein Burnout.

Mit Anfang 50 konnte ich nicht mehr und ging zu meiner Hausärztin. Sie verschrieb mir Antidepressiva, aber das war keine Lösung. Ich erzählte es meinem Gynäkologen, einem Griechen, der meinte, deutsche Ärzte würden viel zu schnell Antidepressiva verschreiben. Er empfahl mir stattdessen Hormone, damals "Lafamme". Ich nahm sie, ohne groß darüber nachzudenken, weil ich vorher auch schon die Pille und eine Hormonspirale hatte. Und siehe da: Mir ging es besser! Die Lafamme habe ich dann auch einige Jahre genommen und nie groß über Wechseljahre nachgedacht, bzw. keine Anzeichen verspürt.

Doch dann ging mein Gynäkologe in Rente, und ich hatte kein Rezept mehr. Da war ich 59 und auf dem Weg in den Urlaub. Ich dachte mir noch: Ach, das Thema Wechseljahre scheint an mir klanglos vorüber gegangen zu sein. Ich schleiche jetzt einfach mal diese Hormone aus. Und ein Urlaub ohne Hormone kann ja nicht so schlimm sein, es ist schließlich Urlaub.

Falsch gedacht! Nach zwei Wochen war ich am Ende: ich hatte täglich gefühlt 100 Hitzewallungen, Depressionen, Schlaflosigkeit, Bluthochdruck, Haarausfall und meine Beine kribbelten, als würden tausende von Ameisen hoch- und runterlaufen. Kann sein, dass es so heftig wurde, weil ich meinem Körper so schnell die Hormone entzogen habe. Aber allein die Tatsache, wie der Körper ohne Östrogen und Progesteron reagiert, war beängstigend. Weil es mir so schlecht ging, war ich auch nicht mehr fähig, mein Sportprogramm weiterzuführen. Ich habe am Bauch extrem zugenommen, meine Arthrose wurde zur Arthritis, es wurde auf einem Auge noch ein grauer Star festgestellt und eine Brust Fibrose. 

Der neue Gynäkologe der die Praxis übernehmen sollte, war noch nicht vor Ort , also ging ich zur Hausärztin, die mir nur Blutdrucktabletten verschrieb obwohl sie schon den Verdacht äußerte, dass es auch Hormone sein könnten. Bis dann der neue Arzt da war und ich einen Termin hatte, war gut ein Jahr vergangen, aber dieses eine Jahr ohne Hormone hat mich zehn Jahre altern lassen. Körperlich und psychisch war ich völlig am Ende.

Der neue Gynäkologe empfahl mir dann Lenzetto, ein Östrogenpräparat. Nach einer Woche fühlte ich mich bereits deutlich besser, aber einige Symptome wie Haarausfall und Gewichtszunahme und Blutdruck hielten weiter an. Im Internet las ich, dass man dazu Progesteron braucht. Der Arzt meinte jedoch, das sei bei mir nicht nötig, weil ich keine Gebärmutter mehr habe. Als sich nach einem halben Jahr meine Symptome - vor allem dieser Haarausfall -  immer noch nicht gebessert hatten, überprüfte der Gyno ein paar Blutwerte und meinen Eisenwert – er war zu niedrig. Also bekam ich eine Eisenkur, die mir prompt Verstopfungen bescherte, womit ich vorher nie Probleme hatte. Die anderen Symptome blieben.

(...) dieses eine Jahr ohne Hormone hat mich zehn Jahre altern lassen. Körperlich und psychisch war ich völlig am Ende.

Petra (62)

Der neue Gynäkologe empfahl mir dann Lenzetto, ein Östrogenpräparat. Nach einer Woche fühlte ich mich bereits deutlich besser, aber einige Symptome wie Haarausfall und Gewichtszunahme und Blutdruck hielten weiter an. Im Internet las ich, dass man dazu Progesteron braucht. Der Arzt meinte jedoch, das sei bei mir nicht nötig, weil ich keine Gebärmutter mehr habe. Als sich nach einem halben Jahr meine Symptome - vor allem dieser Haarausfall -  immer noch nicht gebessert hatten, überprüfte der Gyno ein paar Blutwerte und meinen Eisenwert – er war zu niedrig. Also bekam ich eine Eisenkur, die mir prompt Verstopfungen bescherte, womit ich vorher nie Probleme hatte. Die anderen Symptome blieben. 

Ich wollte Progesteron ausprobieren, doch der Gynäkologe beharrte darauf, dass es nur für die Gebärmutter Schleimhaut zuständig sei. Inzwischen wusste ich, habe es mir selbst erlesen, dass ich eine Östrogendominanz hatte. Während eines Aufenthalt in Griechenland habe ich mir Progesteron besorgt, da dies dort frei verkäuflich ist, und entschied es selbst zu testen.

Nach zwei Wochen fühlte ich mich wie ein neuer Mensch. Ich nahm endlich wieder ab – zehn Kilo hatte ich in der Zeit davor zugenommen –, schlief besser und konnte die Blutdrucktabletten ausschleichen. Zurück in Deutschland sagte ich meinem Arzt: Ich habe mir selbst geholfen. Ich habe mir Progesteron besorgt – und es geht mir eindeutig besser. Das hat ihn dann doch interessiert und seitdem verschreibt er es mir auch. 

Was hat dich in der Zeit ohne Hormone am meisten belastet?

Die Stimmungsschwankungen haben mich extrem belastet. Ein Jahr lang habe ich mich morgens aus dem Bett gequält, bin zur Arbeit gegangen, habe den Tag überstanden – mehr nicht. Mein Umfeld ließ mich in Ruhe, soziale Kontakte konnte ich keine mehr pflegen. Ich dachte, ich hätte Burnout, ich war völlig teilnahmslos.

Ich habe keinen Sport mehr gemacht. Jede Bewegung war mir einfach zuviel. Ich musste mich ständig flachlegen. Auch das hat mich belastet da ich wusste, es ist ein Kreislauf der mich immer mehr nach unten zieht. 

Dazu kamen die Hitzewallungen. Ich habe Strichlisten geführt, ständig ein nasses Tuch im Nacken gehabt, nachts oft im Bad verbracht, den Kopf unter Wasser gehalten – es war unerträglich. Nachts an Schlaf war nicht zu denken. Ich fühlte mich wie ein Zombie.  Schlaflosigkeit kann ebenfalls sehr belastend sein. Ich dachte: So kann und will ich nicht leben. 

Hast du dich in der Zeit mit anderen ausgetauscht?

Eigentlich will kaum jemand darüber sprechen. In meinem Freundeskreis gibt es nur eine Frau die über ihre Hitzewallungen klagt. Dass Hormone für mich ein großes Thema sind, wissen die meisten gar nicht. Ich habe ihr nur gesagt: Geh doch mal zum Gynäkologen, es gibt Hormone – das ist nichts Schlimmes. Aber ansonsten habe ich niemanden, mit dem ich mich wirklich austauschen kann.

Ich bin in einer Wechseljahres-Gruppe auf Facebook. Da sehe ich immer wieder, wie unterschiedlich es läuft: Manche gehen zum Arzt und bekommen sofort Gynokadin und Famenita verschrieben – haben dann aber Angst, es zu nehmen. Andere rennen von Arzt zu Arzt und bekommen nichts, weil sie „da durchmüssen“. Das finde ich krass. Ich verstehe, dass viele mir nicht glauben, wenn ich sage, dass ich bioidentische Hormone nehme und es mir damit besser geht. Man erfährt ja kaum etwas darüber – nur, wenn man gezielt im Netz sucht oder in einer Gruppe ist. Selbst in der Presse steht meist nur Unsinn.

Ja, es gibt keine Langzeitstudien. Keine Ahnung, ob es sich tatsächlich positiv auf Knochen, Herz und Kreislauf auswirkt. Ich habe das Gefühl, ja – aber ich bin 62 und weiß nicht, wie es mit 70 sein wird. Doch das ist mir egal. Ich will, dass es mir jetzt gut geht, so lange wie möglich. 

Was denkst du, warum sich deine Freundinnen nicht darüber austauschen wollten?

Das Thema ist ein echtes Tabu. Meiner Kollegin, die zehn Jahre jünger ist als ich, ging es eine ganze Zeit richtig schlecht und sie war ganz mies drauf. Dann hatte sie plötzlich eine Phase, in der sie total gut drauf war. Ich habe sie gefragt: Nimmst du irgendwas? Du hast dich verändert. Sie meinte nur, ja, sie nehme etwas, aber sie wollte nicht sagen, was. Sie wirkte wie ausgewechselt, richtig aufgeblüht. Ich habe vermutet, dass es Hormone sind, aber als ich sie direkt darauf ansprach, wich sie aus. Ich glaube, sie schämte sich.

Irgendwann war ihre Stimmung wieder im Keller. Also fragte ich: Nimmst du deine „gute Laune“ Medizin nicht mehr? Da meinte sie: Nee, ich habe aufgehört. So was kann man ja nicht ewig nehmen. Aber was genau sie genommen hat, wollte sie wieder nicht sagen. Vielleicht waren es auch Antidepressiva. Das wird den Frauen in den Wechseljahren auch gerne verschrieben. Obwohl diese Stimmungsschwankungen oft von den Hormonschwankungen ausgelöst werden.

Viele Frauen stehen einfach nicht dazu. Sie wollen es auch nicht wahrhaben. Wollen nicht in die Menopause kommen. Wollen keine Einschränkungen. Oder meinen, sie können sich diese Einschränkungen nicht leisten. Früher, meine ältere Schwester, meine Mutter, waren Hausfrau und Mutter. Die haben das irgendwie mit sich selbst ausgemacht. Die heutige Generation Frau ist oft Hausfrau, Mutter und berufstätig. Da ist wenig Platz für „Unpässlichkeiten“.

Ich glaube, das liegt auch daran, dass Ärzte nicht richtig aufklären. Manche verschreiben etwas, ohne viel zu erklären – so war es bei mir damals auch. Mein Arzt hat mir einfach etwas gegeben, und ich hatte zwar den Verdacht, dass es Hormone sind, aber ich wusste es nicht sicher. Aber es hat mir geholfen.

Petra (62)

Diese Heimlichkeit was Frauenprobleme betreffen, kenne ich ja auch noch von früher, als ich mit starken Monatsblutungen zu kämpfen hatte. Ich hatte immer eine Tasche mit Binden und Wechselkleidung dabei, für den Fall, dass etwas passiert. Aber darüber gesprochen? Niemals. Ich saß im Büro sogar auf einer Plastiktüte, damit der Stuhl nicht ruiniert wird. Die ständige Anspannung war enorm – aber wem hätte ich das erzählen sollen?

Hattest Du mal Bedenken bezüglich der Hormone?

Nein. NIE! 

Ich habe früher die Anti-Baby Pille genommen. Dann eine Hormon-Spirale, dann Hormontabletten. Diese Hormone haben mir immer in ihrer Funktion geholfen.

Ich habe eine Schwester, die 20 Jahre älter ist als ich und vor ein paar Jahren waren meine Schwester und ich auf einer Wanderung in den Bergen. Sie war damals 65 und wir sind vom Weg abgekommen und mussten einen recht großen Umweg laufen, aber zum Schluss konnte sie nicht mehr laufen und musste zum Arzt. In der Klinik stellte man fest: Osteoporose. Zwei Wirbel waren gebrochen, eine OP war nicht mehr möglich. Seitdem braucht sie einen Rollwagen zum Laufen.

Ich habe sie dann gefragt, ob sie schon mal Hormone genommen hat. Ihre Antwort war eindeutig: Nein! Hormone? Das ist doch Teufelszeug! Das war für mich ein Schlüsselmoment. Mir wurde klar, wie wichtig eine Hormonersatztherapie für mich persönlich ist. Meine Schwester ist heute ein Pflegefall und das möchte ich mir unbedingt ersparen. Zumal ich selbst seit zehn Jahren Arthrose habe. Doch seit ich Progesteron nehme, ist es deutlich besser geworden – für mich fühlt sich dieses Hormon fast wie ein Allheilmittel an. Ebenso das Östrogen. Fehlt uns Frauen das, weil es die Eierstöcke nicht mehr produzieren, dann werden wir schlapp und krank. 

Das war für mich ein Schlüsselmoment. Mir wurde klar, wie wichtig eine Hormonersatztherapie für mich persönlich ist.

Wie geht es dir jetzt?

Jetzt bin ich gerade in einer Phase, in der ich mich selbst stark beobachte, weil ich vieles nicht einordnen kann. Damit meine ich, ob ich das schlimmste tatsächlich hinter mir habe? Ich habe das Östrogen reduziert, aber ich spüre keine Veränderung – das irritiert mich. Vielleicht brauche ich es jetzt nicht mehr? Jetzt heißt es: Blut abnehmen und schauen, was das Blutbild sagt. Vielleicht ist alles im Einklang, vielleicht auch nicht – keine Ahnung. Aber ich habe Glück. Mein „neuer“ Gynäkologe ist mittlerweile viel offener für dieses Thema. Ein neuer Termin zur Blutabnahme für die Sexuelhormone und auch Nährstoffe steht an.

Ich nehme die üblichen Supplements: Omega-3, Vitamin-B-Komplex, Calcium, Vitamin D/K2 und MSM für die Knochen. In einer Gruppe hat mir jemand OPC-Kapseln empfohlen, und seit ich die nehme, merke ich tatsächlich, dass es mir noch besser geht. Deshalb bleibe ich jetzt auch dabei – es muss ja alles irgendwie im Gleichgewicht sein. Ich denke, dass ich pro Monat bestimmt 100 bis 150 Euro für Supplements ausgebe. 

Mein Gynäkologe meinte letztens, ich gehöre zu den „mündigen“ Patientinnen. Durch meine Aufzeichnungen und Selbstbeobachtungen nimmt er mich jetzt auch ernst. Aber was machen die Frauen die diese körperlichen Veränderungen nicht zuordnen können? Es fehlt immer noch an Aufklärung.

Petra (62)

In der Zeit als es mir schlechter ging, habe ich wirklich alles ausprobiert. Ich mache mir immer Notizen: Was nehme ich? Wie fühle ich mich damit?

Ohne Hormonersatztherapie wäre ich heute, mit fast 63 ein Wrack. Körperlich und geistig. Physisch und psychisch. Schade das es für Frauen auf diesem Gebiet immer noch zuwenig Aufklärung gibt.

Vielen Dank für deine Offenheit und das tolle Gespräch Petra!

Bild Petra (62): Wechseljahre ohne Tabus - Mein Weg zu mehr Wohlbefinden mit Hormonen

Zusammenfassung:

Petra, 62 Jahre alt, wurde spät Mutter und war lange stark gefordert durch ihren Job, die Pflege ihrer Mutter und die Betreuung ihres Sohnes mit Handicap. Als sie mit Anfang 50 extreme Erschöpfung verspürte, erhielt sie zunächst Antidepressiva, doch erst durch eine Hormonersatztherapie verbesserte sich ihr Zustand. Nach dem abrupten Absetzen der Hormone mit 59 erlitt sie massive Beschwerden, bis sie eigenständig Progesteron ergänzte – eine Entscheidung, die ihr Wohlbefinden wiederherstellte und ihr zeigte, wie wenig Frauen über Wechseljahre und Hormone aufgeklärt werden.